Motto

CSD Magdeburg 2019 – DEINE RECHTE WA(H)REN?!

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland viel für die Rechte unserer queeren Community getan. Als letztes die Eheöffnung im Oktober 2017.

Wir können also stolz auf uns und unsere Community sein. Stolz auf alle Lesben, Schwulen, Bi- Trans*- und Intersexuelle Menschen! Es liegt nun an uns, unsere Rechte zu wahren und zu schützen. Vor allem vor einem gesellschaftlichem Roll-Back und dem erstarken einer rechtsextremen »Blau-braunen Partei«, müssen wir unsere erkämpften Rechte verteidigen. Die Äußerungen aus rechten Flügeln etablierter Volksparteien machen zusätzlich Angst vor die Zukunft. Unser diesjähriges Motto lautet daher »DEINE RECHTE WA(H)REN?!«

Mit diesem Motto hat die Vorbereitungsrunde des CSD Magdeburg versucht einerseits stolz auf das Erreichte zu sein. Dessen Wert zu zeigen und die damit verbundenen Rechte zu wahren sowie zu stärken! Es soll aber auch zeigen, dass unsere Rechte „nicht in Stein gemeißelt“ sind und uns ebenso schnell wieder genommen werden können.

In diesem Jahr feiert die LSBTI*-Community nicht nur in Magdeburg, sondern weltweit „50 Jahre Stonewall“. Ausgelöst durch die Stonewall Aufstände im Juni 1969 in den Straßen New York Citys, formierte sich die heute größte Bürgerrechtsbewegung der Welt. Die New Yorker LGBTIQ* Community war Ende der 60er Jahre geprägt von einer bunten und vielfältigen Subkultur, aber auch durch enorme Diskriminierung gegen queere* Menschen. Homo- und Trans*sexuelle waren gezwungen, sich zu verstecken oder sich ständiger Demütigung auszusetzen. Vermieter konnten Wohnungen kündigen, wenn in ihnen “homosexuelle Handlungen” stattfanden, Razzien gegen Gaybars waren an der Tagesordnung und ebenso Gewaltdelikte auf offener Straße. Von der Polizei war statt Hilfe nur weitere Schikane zu erwarten.

Am 27.06.1969 kam es zu einer Polizeirazzia gegen die kleine Schwulenbar Stonewall Inn in der Christopher Street. Die Bar im New Yorker Szeneviertel, die bekannt war als Treffpunkt schwarzer Homosexueller und Drag Queens, war regelmäßige und anlasslose Razzien gewohnt. In diesem Fall kam es jedoch zu einem Vorfall zwischen den Gästen des Lokals und der Polizei. Es entstand eine Prügelei, angeführt von der schwarzen Drag Queen Marsha P. Johnson. Diese Auseinandersetzung verlagerte sich aus der Bar heraus auf die Straße und weitere Menschen aus der Community schlossen sich den Gästen des Stonewall Inn an. Aus der Prügelei erwuchsen schließlich Massenproteste, die sich über mehrere Tage und das gesamte Viertel zogen. Gemeinsam mit der New Yorker Black Community und lokalen Feminist*innen protestierten LGBTIQ* zum ersten Mal in einer großen Demonstration gegen Diskriminierung und Polizeigewalt. Diese Aufstände wurden schließlich von der Community zum Anlass genommen, jährlich große Kundgebungen für die Anliegen von LGBTIQ* abzuhalten – teilweise unter hohem Risiko.

Ohne diese Proteste, auf denen die heutigen Christopher Street Days beruhen, wären vermutlich viele heutige Fortschritte noch nicht erkämpft. Deshalb lasst uns auch 50 Jahre nach Stonewall für eine Welt demonstrieren, in der queere Menschen sie selbst sein können.

Lass uns DEINE RECHTE WA(H)REN?!